Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Alles, was nicht direkt mit rambus zu tun hat.

Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon lucky » 25.05.2014, 19:54

Das Bizarre an der ganzen Entwicklung ist ja, dass alles auf freiwilliger Basis eingeführt wird, bis es schliessendlich ein indirekter Zwang wird. Die Entwicklung lässt sich nicht mehr aufhalten. Wir alle werden in nicht allzuferner Zukunft lückenlos überwacht werden.
Facebook ist das klassische Beispiel dafür, dass es wirklich nichts umsonst gibt. Den Preis müssen wir alle bezahlen, auch diejenigen, die sich bewusst dagegen entscheiden, denn die machen sich besonders verdächtig. :(
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Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon lucky » 02.06.2014, 13:32

Langsam aber sicher wird es in Zukunft eine lückenlose Überwachung geben. Das ist alles erst der Anfang.
Machtlos gegen die Indiskretionen unserer Autos

Das moderne Auto kennt keine Privatsphäre mehr. Hersteller, Versicherungen und Polizei haben Zugriff auf alle Daten. Autofahrer, die sie nicht offen legen wollen, können künftig diskriminiert werden.

http://www.welt.de/motor/article1286293 ... Autos.html
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Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon johannes » 17.06.2014, 21:49

@ all

Technologie-Unternehmen als Datenschützer : Abhören lohnt sich nicht

Immer mehr Technologie-Unternehmen fürchten um das Vertrauen ihrer Kunden, selbst wenn sie selbst gar nicht von den Snowden-Enthüllungen betroffen waren. Das lassen sie Präsident Obama spüren.

12.06.2014, von Constanze Kurz


Nicht nur auf politischer Ebene und in Fragen der Menschenrechte wurde am Ende des Snowden-Jahres gestritten, resümiert und über die Zukunft nachgedacht. Auch in der Wirtschaft waren die Folgen der Snowden-Enthüllungen kein kleines Thema. Die Vizepräsidentin der Symantec Corporation, Cheri McGuire, die in dem amerikanischen Konzern für die Beziehungen zu den Regierungen zuständig ist, beschwerte sich anlässlich einer Diskussion zum Snowden-Jahrestag, dass jedes Mal, wenn neue Enthüllungen durchsickerten, das Geschäft in Übersee darunter leide. Man müsse sich nun dauernd den bohrenden Fragen der Kunden stellen, die sich nach geheimdienstlichen Hintertüren erkundigten und die seit neuestem permanent zusätzliche vertragliche Absicherungen zur Vertraulichkeit der Daten verlangten. Dies sei ein ganz neues Phänomen.

McGuire spricht für viele in ihrer Branche. Denn wie Symantec geht es auch anderen amerikanischen Anbietern, sogar Unternehmen, die bisher in den Snowden-Papieren gar nicht erwähnt wurden. Nicht ohne Zynismus fügte sie hinzu, dass anderswo auf der Welt auch keine ordentliche Geheimdienstkontrolle stattfinde, die Amerikaner aber ganz besonders unter den zunehmend kritischen Nachfragen der Kunden litten.

Markteinbußen zwischen zwölf und dreißig Prozent

Die gute Nachricht ist, dass sich in Zukunft kaum ein Hersteller noch kooperationswillig zeigen wird, wenn NSA, GCHQ oder der kleine Bruder BND an die Tür klopfen. Das geschäftliche Risiko ist unabsehbar groß geworden und nunmehr keineswegs nur theoretisch, sondern klar bezifferbar. Die Kollateralschäden kann man für manche Branchen bereits in blanken Zahlen ausdrücken: Forrester Research schätzt die Einbußen allein bei den amerikanischen Cloud-Anbietern auf 180 Milliarden Dollar in nur zwei Jahren.

Die Unternehmen werden sich auch fragen lassen müssen, was sie tun, um zu verhindern, dass Hintertüren ohne ihre Mitwirkung installiert werden – etwa auf dem Transportweg zum Kunden. Im Mai hatte sich John Chambers, Chef von Cisco Systems, deswegen direkt an Barack Obama gewandt. Nicht etwa auf den üblichen Kanälen, die Wirtschaftgrößen zur Kommunikation mit höchsten Kreisen pflegen, sondern in einem offenen Brief in der „Financial Times“.

Er fordert Obama darin auf, die NSA endlich in die Schranken zu weisen. Chambers hatte kurz zuvor aus der Zeitung von neuen Snowden-Enthüllungen erfahren, die zeigen, wie NSA-Leute massenweise Cisco-Pakete auf dem Postweg abfangen, Überwachungstechnik in deren Produkte einschmuggeln und die verwanzten Router hernach an die Kunden weiterschicken. Zwar sind auch Produkte anderer Unternehmen in den NSA-Umpackstationen mit spionierenden Implantaten bestückt worden, allerdings prangte auf einem der veröffentlichten Fotos gut sichtbar ein großes Cisco-Logo. Dabei waren erst im November Zahlen über die geschäftlichen Einbrüche bei Cisco bekanntgeworden. Zwischen zwölf und dreißig Prozent waren die internationalen Bestellungen auf den verschiedenen Märkten bereits eingebrochen. Chambers warnte in deutlichen Worten, dass die NSA-Aktivitäten das Vertrauen in die amerikanische IT-Industrie unterminieren würden. Er fügte an: „So können wir einfach nicht funktionieren.“

Eine ziemlich blauäugige Geschäftsstrategie

Unter Beobachtern der Geheimdienstwelt war die Tatsache, dass komplexe Technologieprodukte gern mit Hintertüren versehen werden, um den jeweiligen nationalen Diensten verdeckte Zugänge zu den Netzen und Daten der Käufer zu gewähren, schon lange ein offenes Geheimnis. Auch der BND wird sich zu seinen heimlichen Deals mit deutschen IT-Herstellern befragen lassen müssen, demnächst im NSA-Ausschuss des Bundestages.

Nicht umsonst fallen die Namen der mit den Diensten mauschelnden Unternehmen unter die höchsten Geheimhaltungsstufen, die in den Snowden-Dokumenten zu finden sind. Doch jetzt weiß es jeder potentielle Kunde, und die Frage, welchen Herstellern man noch vertrauen kann, beschäftigt IT-Entscheider überall auf der Welt. Das Faszinierende an der jetzigen Situation ist jedoch, dass sich der Verdacht der Kunden zumeist pauschal gegen Unternehmen aus den Vereinigten Staaten richtet, egal ob diese als NSA-Kollaborateure enttarnt wurden oder nicht.

Nicht nur die Firmen, die entweder absichtlich kooperierten oder ein Auge zudrückten, wenn ihre Angestellten mehr als einen Brötchengeber haben, müssen nach den Enthüllungen nun die Konsequenzen ertragen. Dennoch hat sich die Branche den globalen Vertrauensverlust zu einem guten Teil selbst zuzuschreiben. Wer einmal Hintertüren einbaut oder zulässt, dem vertraut man nicht wieder. Sich darauf zu verlassen, dass die klandestine Kooperation schon nicht herauskommt, stellt sich angesichts der Snowden-Enthüllungen als ziemlich blauäugige Geschäftsstrategie heraus. Es wird nicht lange dauern, bis dies auch die Aktionäre entdecken.

Alle Datenbanken und Systeme runterfahren

Snowdens Papiere werden zumindest in diesem Gebiet die Welt ganz handfest verändern. Wer will schon seine Daten dort speichern, wo von vornherein klar ist, dass sie ausgeforscht werden? Einfach auf die Zusicherungen der Hersteller vertrauen – ob sie nun aus den Vereinigten Staaten, Europa oder China kommen –, kann sich kein Unternehmen mehr leisten.

Während die amerikanischen Unternehmen von ihren Kunden lernen, dass die Vertraulichkeit von Daten auch als monetärer Wert gesehen wird, und noch nach Auswegen suchen, fällt ihnen der Geheimdienstskandal wieder vor die Füße, nur diesmal ganz ohne neue Snowden-Enthüllungen. Denn auch wenn man es für Satire halten könnte, so argumentiert die NSA jetzt ernsthaft damit, zu viele Mails, Telefonate, Facebook-Happen, Internet-Metadaten oder SMS zu sammeln, um das Ganze noch überblicken zu können.

Ein Bundesgericht in Oakland hatte die Sicherung der für eine Klage relevanten Daten verlangt. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit – nicht so für die Profi-Spione. In einer schriftlichen Stellungnahme stellte die NSA letzte Woche klar, dass ihre Spionageaktivitäten derart umfangreich und auch technisch komplex seien, dass man sich leider außerstande sehe, für die Richter Datenbestände aus den eigenen technischen Systemen zu sichern. Sie ließen wissen, dass man für dieses Unterfangen wohl „alle Datenbanken und Systeme runterfahren“ müsse. Wäre ja keine so schlechte Idee.

Quelle: F.A.Z.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/a ... ageIndex_2


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Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon johannes » 17.06.2014, 21:58

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16.06.14 / 14:10

Apple und Cisco wehren sich gegen US-Zugriff auf Daten im Ausland

NEW YORK (dpa-AFX) - Die Technologie-Schwergewichte Apple und unterstützen Microsoft beim Widerstand gegen eine Gerichtsentscheidung, die US-Behörden den Zugriff auf Nutzerdaten außerhalb der USA vereinfachen könnte. Ein Richter hatte Microsoft im April angewiesen, einer nicht näher genannten US-Behörde die Inhalte des E-Mail-Accounts eines Kunden auszuhändigen, die auf einem Server in Irland gespeichert sind. Microsoft bekommt in dem Fall bereits Schützenhilfe von den Telekom-Riesen AT&T und Verizon.

Jetzt wiesen auch Apple und Cisco darauf hin, dass die Entscheidung alle amerikanischen Anbieter von Internet-Diensten in eine Zwickmühle bringen könnte. Die Gerichtsentscheidung ignoriere das Zusammenspiel von amerikanischem und ausländischem Recht, kritisierten sie in am Wochenende veröffentlichten Gerichtsunterlagen. Sie könne "Apple und andere Anbieter zwingen, die Gesetze eines Landes zu verletzen, um die eines anderen zu erfüllen". Die Folge könnten Sanktionen und der Vertrauensverlust bei Kunden sein. ...

https://www.maxblue.de/de/maerkte-aktie ... 1402920622


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Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon johannes » 17.06.2014, 22:04

@ all

12.06.14 / 16:35

Facebook wird freizügiger mit Kundendaten

NEW YORK (IT-Times) - Werbeeinnahmen sind das Zauberwort bei Facebook. Das Soziale Netzwerk plant jetzt, mehr Kundendaten als bisher für die Zielgruppen-Werbung freizugeben.
So plane Facebook, Werbetreibende mit Daten über die Internetnutzungs-Gewohnheiten der Kunden zu versorgen. In den kommenden Wochen sollen aus diesem Grund mehr Daten als bisher in das Zielgruppen-Marketing gehen, so das Wall Street Journal. Facebook sammelt Informationen über die Gewohnheiten seiner Nutzer, indem ein spezieller Code auf den Geräten platziert wird. Dieser kann dann auslesen, welche Websites besucht werden (Tracking). Bis jetzt argumentierte das Soziale Netzwerk, diese Informationen lediglich für Sicherheitszwecke zu sammeln. Jetzt macht sich das Unternehmen die gesammelten Daten nutzbar. ...

https://www.maxblue.de/de/maerkte-aktie ... 1402583718


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Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon johannes » 08.07.2014, 18:52

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Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon johannes » 08.07.2014, 19:06

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Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon johannes » 08.07.2014, 19:42

@ all


No-Fly-Listen : Ohne unser Wissen gebrandmarkt

In Amerika ist ein Urteil gegen die Anti-Terror-Listen der Regierung ergangen. Eine beherzte Richterin prangerte dabei an, dass für Menschen, die auf solche Listen gelangt seien, keinerlei Rechtsweg offenstehe, um sich zur Wehr zu setzen.

01.07.2014, von Constanze Kurz


Als Frank Schirrmacher vor vier Jahren die Idee zur Maschinenraum-Kolumne hatte, war ich zögerlich. Ich erbat Bedenkzeit, die er mit einer kurzen nächtlichen Mail konterte: „Man kann wirklich was bewegen. Zumindest sich nicht vorwerfen, dass man es nicht versuchte.“ Das wollte ich mir natürlich nicht vorwerfen müssen.

In der vergangenen Woche wurde deutlich, dass es manchmal nur furchtlose Kläger und eine beherzte Richterin braucht, um etwas zu bewegen und das Offensichtliche endlich auszusprechen: Die seit zehn Jahren existierende No-Fly-Liste der amerikanischen Regierung, die Menschen enthält, denen Verbindungen zu nicht näher definierten „Terroristen“ nachgesagt werden und die deswegen kein Flugzeug besteigen können, ist mit den amerikanischen Grundrechten nicht zu vereinbaren.

So urteilte am vergangenen Dienstag eine amerikanische Richterin mit der Begründung, dass für derart Stigmatisierte keinerlei Rechtsweg offenstehe, sich gegen die Aufnahme in die Liste zur Wehr zu setzen. Der Fall betrifft dreizehn Amerikaner, unter ihnen ehemalige Soldaten, die am Flughafen zurückgewiesen wurden. Ihnen muss nun ein Weg aufgezeigt werden, diese No-Fly-Entscheidungen juristisch prüfen zu können. Denn das Teilnehmen an internationalen Flügen sei nicht etwa „Annehmlichkeit oder Luxus“, sondern in der modernen Welt sowohl Notwendigkeit als auch Freiheitsrecht, so die Richterin.

Ein Weg, sich vom Stigma zu befreien

Die mehr als zwanzigtausend Menschen auf der No-Fly-Liste dürften das mit Hilfe der American Civil Liberties Union erstrittene Urteil aufmerksam lesen, sofern sie von ihrem Unheil überhaupt wissen. Zumindest den etwa fünfhundert Amerikanern unter ihnen eröffnet sich nun wohl ein Weg, sich von dem Stigma befreien zu können.

Das gelang nach jahrelangen Prozessen bisher nur einer einzigen Person: Die Wissenschaftlerin Rahinah Ibrahim konnte nachweisen, dass sie versehentlich auf die No-Fly-Liste gesetzt worden war. Der damalige Richter beschrieb die mangelnde Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit und insbesondere die Behandlung von Frau Ibrahim im Urteil als schlicht „kafkaesk“.

Die „Washington Post“ berichtete allerdings im April, dass es noch einen anderen erfolgversprechenden Weg gibt, den eigenen Namen von der Liste zu tilgen: Das FBI hatte sich erdreistet, einem der am Flughafen Zurückgewiesenen noch an Ort und Stelle eine Zusammenarbeit anzubieten. Ein anderer Betroffener berichtete dem britischen „Guardian“, ein FBI-Agent hätte ihm ganz unverblümt gedroht: „Wir sind die Einzigen, die dich von der Liste entfernen können.“

Man kann natürlich argumentieren, dass dies Einzelfälle seien und man doch den Behörden, die solche Listen bestücken und Reisesperren aussprechen, einfach vertrauen solle. Dieses Vertrauen dürfte aber selbst Wohlmeinenden im Zuge des Snowden-Jahres gründlich vergangen sein. Reisefreiheit ist ein Menschenrecht, dessen Einschränkungen am wenigsten den intransparenten, unkontrollierten Geheimdiensten obliegen dürfen.

„Sie können im Grunde gar nichts mehr machen“

Die No-Fly-Listen sind keineswegs die einzigen Dateien über Menschen, denen grundlegende Rechte entzogen werden, ohne dass sie die Chance hätten, daran etwas zu ändern. In Deutschland gibt es seit 2007 die sogenannte Anti-Terror-Datei, die als gemeinsames Verzeichnis von Polizeien und Nachrichtendiensten angelegt wurde, wie selbstverständlich wird es auch von „ausländischen Partnerdiensten“ bestückt. Beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen existiert ein euphemistisch Sanktionsausschuss genanntes Gremium, das ebenfalls eine Liste solcher Menschen führt. Niemand kann oder will begründen, was die Kriterien sind und warum jemand aufgenommen wird.

Der ehemalige Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier brandmarkte die Rechtlosigkeit der Sanktionierten 2008 in einem „Spiegel“-Gespräch mit Thomas Darnstädt mit den Worten: „Wenn Sie auf einer solchen Terrorliste stehen, können Sie im Grunde gar nichts mehr machen.“

Das Zustandekommen unterscheidet sich kaum von den amerikanischen Prozeduren. Papier brachte das Problem so auf den Punkt: „Das Interessante ist, dass die Betreffenden, die auf eine solche Liste kommen, weder vorher angehört werden noch dass ihnen die Gründe mitgeteilt werden, weshalb sie aufgeführt sind. Die zugrundeliegenden Beweise werden nicht mitgeteilt, und es gibt keinen effektiven gerichtlichen Rechtsschutz.“

Das Stigma des Terrorverdachts erwies sich als übermächtig

Die aktuelle Entscheidung der amerikanischen Richterin erinnert mich an ein eindringliches Gespräch mit Frank Schirrmacher vor einigen Jahren über meine persönlichen Erinnerungen an die DDR und das unbeschreibliche Gefühl der Freiheit, sie nach dem Fall der Mauer in jede beliebige Himmelsrichtung verlassen zu können.

Wir kamen später darauf zurück, als die Snowden-Enthüllungen schon monatelang Schlagzeilen machten und der Lebensgefährte von Glenn Greenwald, David Miranda, mit einem bizarren Terrorismusvorwurf am Londoner Flughafen festgesetzt wurde. Anhand dieses Falles konkretisierten sich die oft recht abstrakt erscheinenden asymmetrischen Wissens- und Machtverhältnisse und der Autonomie- und Freiheitsverlust auf bedrückende Weise.

Schirrmacher war elektrisiert , als ich von Fällen deutscher Reisender berichtete, die mangels Prominenz der Betroffenen nicht öffentlich diskutiert worden waren. Sofort entstand der Plan, diese Öffentlichkeit herzustellen, die Umstände zu berichten, die Schicksale zu erzählen - etwas zu bewegen. Doch der Text konnte nicht erscheinen, die Betroffenen wollten ihre private Geschichte nicht in der Zeitung lesen. Das Stigma des Terrorverdachts erwies sich als übermächtig.

Als ich wenig später selbst zu einer Amerika-Reise aufbrach, kam mitten in der Nacht vor dem Abflug noch eine von Schirrmachers Mails im üblichen Telegramm-Stil: „Alles Gute in USA. Wenn Sie nicht reinkommen, sofort schreiben. Wenn eingesperrt, Geduld haben. Jederzeit unseren USA-Korrespondenten anfunken.“ Neben den Kontaktdaten schob er in seinem unnachahmlichen, leicht makabren Humor noch eine nicht abdruckbare Guantánamo-Anspielung hinterher.

Die angebotene Hilfe musste ich nicht in Anspruch nehmen, sondern konnte nach einem undurchschaubaren Datenabgleich und der Abgabe aller Fingerabdrücke und meines biometrischen Gesichtsbildes nur leicht behelligt ein- und ausreisen. Nur das Freiheitsgefühl will sich nicht mehr recht einstellen.

Quelle: F.A.Z.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/a ... ageIndex_2


Das war ein Nachruf von Constanze. Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der FAZ und ihr Feuilletonleiter
ist einen Tag vor Beginn der WM im Alter von 54 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben -
nach Angaben des Handelsblattes ohne Vorerkrankung.



johannes
Zuletzt geändert von johannes am 08.07.2014, 20:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon johannes » 08.07.2014, 20:18

@ Bredi

(Re: Rambus jetzt kaufen!

Neuer Beitragvon Bredi » 07.07.2014, 09:24
@Mille

Johannes scheint "verschwunden" zu sein, gleichwohl ich gerne seine Meinung zu diesem Thema lesen würde.

Gruss Bredi)

Wenn es Dich interessiert, darum (siehe unten) ! Da hat man keine Lust sich wegen gar nichts zu streiten.
Ich habe Dir meine Ansicht zur Quellennennung und Linksetzung mitgeteilt. Wenn das für Dich akzeptabel ist,
hat sich meine Betrachtung Deiner Person als "Schlampe" erledigt. Wie Du privat bist, ist für mich nicht
wichtig. Hier wurde viel von Deinen "Unterstützern" fehlinterpretiert und wir beide haben den gleichen
Fehler gemacht. Wir haben die anderen sich einmischen lassen - Bobo und mille in Ansätzen nehme ich
einmal aus. Wenn Du noch reden möchtest, dann leg los.



Erinnerung an Frank Schirrmacher : Unser Leuchtfeuer

Frank Schirrmachers Tod ist auch eine politische Katastrophe. Wie ist der Kampf um die Selbstbestimmtheit in der digitalen Revolution ohne ihn zu gewinnen? Halten wir uns an seine Devise.

16.06.2014, von Juli Zeh


Waffenbruder ist ein altmodisches Wort und vermutlich nicht einmal positiv besetzt. Trotzdem verwende ich es seit einem Jahr, wenn ich an Frank Schirrmacher denke. In den letzten Monaten widmete er einen großen Teil seiner Energie dem Kampf gegen die gesellschaftlichen Folgen der digitalen Revolution.

Er hatte nicht nur die Bedeutung des aktuellen Epochenwandels verstanden, sondern auch beschlossen, etwas für die politische Domestizierung des Kommunikationszeitalters zu tun. Man kann dieses Engagement mit Fug und Recht einen Kampf nennen, weil die Gegner mächtig sind – Schirrmacher sprach drastisch vom militärisch-industriellen Komplex, gegen den es nicht nur die Bürgerrechte, sondern ein ganzes Menschen- und Gesellschaftsbild zu verteidigen gelte.

Auf diesem nach wie vor zu dünn besiedelten Schlachtfeld stellte er eine Schlüsselfigur dar. Die von ihm initiierte und moderierte Debatte zur digitalen Gesellschaft in der Frankfurter Allgemeine Zeitung besitzt historisches Format. Für mich und manchen anderen war sein publizistisches Voranschreiten ein Leuchtfeuer, das die immer wieder aufkommende Frustration vertrieb.

Wir machen weiter!

Unser letztes Telefonat vor zehn Tagen drehte sich um die Frage, ob der Kampf um die Selbstbestimmtheit des Einzelnen im digitalen Zeitalter überhaupt noch zu gewinnen sei. Bei allem Realismus in Bezug auf den begrenzten Einfluss des gesprochenen und geschriebenen Worts – vor allem auf einem Gebiet, das von mächtigen Konzernen und deren Lobbyisten, von machthungrigen Geheimdiensten und dem überschießenden Sicherheitsbedürfnis ganzer Staaten dominiert wird – war Schirrmachers Begeisterungsfähigkeit in der Lage, meinen gelegentlich schwindenden Glauben an die Sache immer wieder neu zu beleben.

Seine politische Euphorie sowie die schiere Lust am Kampf hatten etwas Ansteckendes. Seine Botschaft lautete: Wir machen weiter. Neben dem persönlichen Verlust ist sein Tod eine politische Katastrophe.

Er hinterlässt eine Leerstelle, die so schnell niemand füllen wird. Wir alle, die für eine neue Phase politischer Aufklärung im Zeichen der Digitalität kämpfen, haben einen Waffenbruder verloren, einen klarsichtigen und einflussreichen Bruder im Geiste.

Ich weiß genau, was sich Frank Schirrmacher gewünscht hätte, wenn er seinen Tod hätte voraussehen können: Dass wir weitermachen, mit verdoppelter Anstrengung sogar. Bange machen gilt nicht. Aber unter dem ersten Schock des Verlusts regiert die Angst, dass es nicht zu schaffen ist. Nicht ohne ihn.


Juli Zeh ist Juristin und Schriftstellerin.

Quelle: F.A.Z.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/f ... 91783.html

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Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon lucky » 05.08.2014, 22:04

Da kann einem wirklich Angst und Bange werden.



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Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon johannes » 29.01.2015, 22:21

@ all

Endlich mal eine positive Nachricht zum Thema.


Windows 10 präsentiert : Microsoft überrascht mit Computerbrille

Der Softwarekonzern will die Enttäuschung von Windows 8 wettmachen und die jüngste Version seines Betriebssystems kostenlos abgeben. Für die große Überraschung sorgt Microsoft aber mit „Hololens.“
21.01.2015, von Roland Lindner, New York

...
Microsoft präsentierte die Computerbrille „Hololens“, die zum Beispiel für das Design von Objekten oder für Videospiele gut sein soll. Das Gerät erinnert an Oculus, die Videobrille des gleichnamigen Herstellers, der im vergangenen Jahr vom sozialen Netzwerk Facebook gekauft wurde. Während es Oculus erlaubt, in virtuelle Welten einzutauchen („virtual reality“), soll Hololens offenbar eher ein Vehikel für die sogenannte „augmented reality“ sein, bei der das reelle Umfeld mit digitalen Bildern angereichert wird. Microsofts Vorstoß mit Hololens kommt nur wenige Tage nach der Ankündigung des Internetkonzerns Google, den Verkauf seiner Computerbrille Glass vorerst einzustellen. ... :up:

Quelle: FAZ.NET

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/n ... 83866.html


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Zuletzt geändert von johannes am 29.01.2015, 22:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon johannes » 29.01.2015, 22:37

@ all

Kommerzielle Überwachung : Alle Daten sind Kreditdaten

Vorhersagen über die Arbeitsleistung von Angestellten, Kreditwürdigkeit in Abhängigkeit vom Löschtastengebrauch, Schwangerschaft als besonders für Werbung empfängliche Lebensphase: Eine neue Studie zeigt Ausmaß und Einsatz kommerzieller Überwachung.
07.11.2014, von Fridtjof Küchemann


„Alle Daten sind Kreditdaten, wir wissen nur noch nicht, wie wir sie einsetzen werden.“ Der Satz ist zwei Jahre alt und stammt von Douglas Merrill, der 2009 nach fünf Jahren als Chief Information Officer bei Google das Unternehmen ZestCash gegründet hat, das inzwischen unter dem Namen ZestFinance Kreditwürdigkeitsanalysen auf Basis personenbezogener Daten anbietet.


Wie wertvoll unsere personenbezogenen Daten sind, weiß die Industrie schon lange; sie weiß es, das ist Kern des Problems, besser als die Leute, deren Daten sie sammelt und analysiert. Und ihr Wissen darüber, wie sich diese Daten einsetzen lassen, wächst unaufhörlich.

Im Auftrag der österreichischen Arbeiterkammer, einer Interessenvertretung der Arbeitnehmer, hat der Wiener Datenexperte Wolfie Christl jetzt eine Studie veröffentlicht, die Beispiele für den kommerziellen Umgang mit unseren Daten versammelt: die Verfahren ihrer Anreicherung und Auswertung, die Absichten und Auswirkungen. Es sind, wohlgemerkt, Beispiele, keine Gedankenspiele.

Ganze siebzigtausend einzelne „Signale“ wertet das Analysemodell von ZestFinance in einer Viertelsekunde aus, um die Kreditwürdigkeit von Privatpersonen einzuschätzen. Beim in Hamburg ansässigen Unternehmen Kreditech sind es etwas weniger: Zu den fünfzehntausend Datenpunkten, die dort in die Berechnungen einfließen, gehören die Daten in den Facebook-, Xing- oder LinkedIn-Profilen des Antragstellers, zu denen die Firma Zugang fordert, aber auch die Zeit, die er zum Ausfüllen von Online-Formularen benötigt oder der Einsatz der Löschtaste dabei. Das amerikanische Start-up ConnectCubed bietet Unternehmen Leistungsvorhersagen ihrer Angestellten an. Die Werbefirma MediaBrix erkennt die Emotionen von Computerspielern, stimmt darauf die Werbung ab, die diese Spieler zu sehen bekommen, und steigert so das Interesse an ihr bei Online-Spielen um fünfzehn, bei Smartphone-Spielen sogar um dreißig Prozent.

Eine amerikanische Supermarktkette hat jedem Kunden eine eigene Identifikationsnummer zugewiesen, um „wichtige Momente im Leben der Kunden ausfindig zu machen, in denen ihr Einkaufsverhalten flexibel“ werde. Werbung oder Gutscheine ließen sich in solchen Situationen sehr effektiv einsetzen. Wichtiger noch: Eine gezielte Ansprache zum richtigen Zeitpunkt könne in bestimmten Lebensphasen – Schulabschluss, Heirat, Umzug oder Scheidung, am lukrativsten allerdings bei einer bevorstehenden Geburt – das Einkaufsverhalten oft auf Jahre verändern.

Wer wohlhabend wirkt, zahlt mehr

Facebook-„Likes“, Suchanfragen oder Bewegungen im Internet werden für Persönlichkeitsprofile ausgewertet, und selbst die Dynamik des Tastenanschlags beim Tippen oder die Metadaten von Telefonanrufen lassen mit einer Treffsicherheit von etwa siebzig Prozent Rückschlüsse auf die emotionale Verfassung der Nutzer zu. Diese Trefferquote ist zwar wissenschaftlich nicht tragfähig, wirtschaftlich aber durchaus interessant und ausreichend, um sie in der Werbeversorgung oder für die Preisgestaltung zu nutzen: Um bis zu 166 Prozent weichen die Preise der Produkte voneinander ab, die große internationale Online-Shops den Konsumenten auf Basis von deren Online-Verhalten, Standortinformationen, der benutzten Geräte oder Browser anzeigen. Wer das Online-Reisebuchungsportal Orbitz von einem Apple-Computer statt von einem PC aus aufruft, bekommt dort um bis zu dreizehn Prozent teurere Hotels angeboten.

Allein aus Daten über Konsumverhalten, Lebensstil und Einkommen ziehen Versicherungen Rückschlüsse auf die Gesundheitsrisiken ihrer Kunden - und können die Prämienhöhe darauf abstimmen. Wie erweitern sich diese Möglichkeiten bei ausreichender Verbreitung von Wearables, die kontinuierlich Körperdaten senden? Wie nimmt das Ausmaß kommerzieller Überwachung zu, wenn das Internet der Dinge Wirklichkeit geworden ist? Was hier auf uns zukommt, ist derzeit noch im Stadium des Gedankenspiels oder in der Testphase. Aber den Unternehmen fällt bestimmt etwas ein.

Quelle: FAZ.NET

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/d ... 53649.html


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Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon johannes » 29.01.2015, 23:31

@ all

Zwei Unterforen - nennt man das so (?) - zum selben Thema halte ich für überflüssig.
Ob man es "Kollaborateure", "Wie kann ich meine Datensicherheit besser organisieren ?" oder "Wie lange gibt es
das bestehende ´freie Internet´ noch ?" nennt, spielt aus meiner Sicht keine Rolle.
Es kommt auf die Information und die Übersichtlichkeit für den interessierten Leser an.

Deshalb findet Ihr unten einen älteren Beitrag/Artikel von lucky wieder.
Es wäre schade um ihn, wenn er im "Nirwana" verschwinden würde ",nur weil ich zum Thema sende".
Neumitglieder und "Neugäste", die sich für dieses Thema interessieren, sollten unkompliziert auf alle Informationen die
wir hierzu gesammelt haben zurück greifen können, um sich eine eigene Meinung bilden zu können.
Seid Ihr damit einverstanden ?
Lucky, bist Du damit einverstanden ?


johannes




Wie lange gibt es das bestehende “freie Internet" noch?

Neuer Beitrag von lucky » 14.08.2014, 21:27
Zensur im Internet: Wie lange gibt es das bestehende “freie Internet” noch?
http://www.neopresse.com/gesellschaft/z ... rnet-noch/
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Re: Kann ich Kollaborateure bestrafen ?

Beitragvon johannes » 28.02.2015, 10:20

@ all

Ihr habt es sicher gerade in den Nachrichten gehört.
Hier findet Ihr etwas mehr Hintergrundinformationen zum Thema in der Kurzfassung ...



Projekt in Schweden : Ein Chip in jedermanns Hand

Die schöne neue Welt kommt mit einem Chip unter der Haut. Türen öffnen, den Kopierer bedienen - und was noch?
07.02.2015, von Susanne Preuß

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/c ... 11476.html


... und in der Langversion.


Türen öffnen, Kopierer starten : Schwedische Arbeitnehmer lassen sich Chip implantieren - freiwillig

Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Film: In Schweden lassen sich Büroangestellte einen Chip einpflanzen. Schwappt die Cyborg-Welle auch nach Deutschland? Datenschützer sind alarmiert.
25.02.2015, von Sven Astheimer und Sebastian Balzter


Hannes Sjöblad braucht keine Zugangskarte mehr, um in sein Büro zu kommen. Auch in das Fitnessstudio geht der Schwede ohne Kundenkarte. Und das Handy entsperrt er, ohne eine Pin einzugeben. Sjöblad hat sich im vergangenen Herbst zwischen Daumen und Zeigefinger einen reiskorngroßen Chip unter die Haut pflanzen lassen, der all diese Aufgaben übernimmt. Sobald seine Hand in die Nähe eines geeigneten Lesegeräts oder Empfängers kommt, ist er identifiziert. „Und das ist längst nicht alles“, schwärmt er. „Der Chip macht das Leben noch viel einfacher.“ Was wie Science-Fiction klingt, ist für eine kleine, aber rasch wachsende Gruppe in Schweden schon Alltag. Mindestens 300 Menschen haben sich dort bislang einen RFID-Chip implantieren lassen, der mit der sogenannten Nahfeldkommunikationstechnik ausgerüstet ist.

Nicht nur in der Hauptstadt Stockholm, auch anderswo lassen sich damit inzwischen eine Reihe von Büros, Fitnessstudios und Waschsalons betreten. Bei Handys und Computern kommt es auf das Betriebssystem an. Der Verein Bionyfiken, der sich der Verschmelzung von Technik und Körper verschrieben hat, treibt den Trend voran. Hannes Sjöblad, Ende 30, ist sein Vorsitzender. Der jüngste Coup des Vereins war die Eröffnung eines supermodernen neuen Bürohauses im Zentrum von Stockholm.

In dem „Epicenter“ genannten Gebäude, dem Vorzeigeprojekt eines großen schwedischen Immobilienentwicklers, sollen Start-ups und andere Unternehmen mit bis zu 80 Mitarbeitern Platz finden, um neue Ideen für die digitale Welt zu entwickeln. Es gibt eine schicke Cafeteria, Lounges, Veranstaltungsräume. Alles sieht auf diesen 5000 Quadratmetern so lässig und gleichzeitig edel aus, als hätte Google seine Zentrale von skandinavischen Designern einrichten lassen. Und zur Eröffnungsparty im Januar wurde, von Sjöblad vermittelt, ein mobiles Piercingstudio eingeladen. Künftige Nutzer des Gebäudes konnten sich gleich an Ort und Stelle einen Chip in die Hand einsetzen lassen, mit dem sie alle Türen öffnen und die Kopierer im „Epicenter“ benutzen können. Sogar der Chef des Immobilienkonzerns unterzog sich der kurzen, aber schmerzhaften Prozedur.

Bei Haustieren gang und gäbe

Wer nun denkt, Schweden sei weit weg, und die Implantate für eine verrückte Idee weniger Spinner hält, sei daran erinnert, dass das Verfahren hierzulande bei Haustieren seit eineinhalb Jahren gang und gäbe ist. Chips im Ohr oder als Implantat speichern die Identitätsnummer, Angaben zum Besitzer und die Behandlungsdaten des Tierarztes. Warum soll bei Menschen nicht funktionieren, was bei Vierbeinern längst Standard ist? Wird das subkutane Speicherwunder künftig auch unseren Arbeitsalltag vereinfachen? Gewerkschaften gruselt es bei dieser Vorstellung. Annelie Buntenbach, Bundesvorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes und Datenschutzexpertin, sagt: „Solche Praktiken sehen wir höchst problematisch, sie widersprechen dem Persönlichkeitsschutz.“

Schon jetzt könnten Verhaltensmuster durch Chips auf Personalausweisen, Kreditkarten oder die Handy- und Online-Daten nahezu vollständig erfasst werden, und die Menschen hätten kaum Einfluss auf die Verwertung. „Jetzt auch noch Chips unter der Haut zu tragen würde diese Erfassung über jede zumutbare Grenze weit hinaustreiben.“ Deutschland brauche mehr, nicht weniger Arbeitnehmerdatenschutz, findet Buntenbach. „So lange können Türen und Kopierer sicher noch ohne eingespritzte Chips bedient werden.“ Rechtlich ist das „Chippen“ von Arbeitnehmern in Deutschland Neuland, es gibt zumindest bislang noch keine Rechtsprechung dazu.

„Das Ganze muss aber auf jeden Fall freiwillig sein“, sagt Lara Sherman von der Frankfurter Kanzlei Pflüger Rechtsanwälte. Niemand dürfe zu einem Implantat gezwungen werden, das verhindere das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Als Kündigungsgrund halte eine Weigerung demnach also nicht stand. Auch wer sich freiwillig einen Chip einsetzen lasse, sollte laut Sherman die Hoheit über seine Daten nicht hergeben. Das Bundesdatenschutzgesetz verlange, dass der Betroffene ausdrücklich einwillige, welche Daten verwendet werden; ob also nur Tür und Kantine mit dem Chip gesteuert werden oder noch andere Funktionen beinhaltet sind. „Das muss im Vorfeld schriftlich und eindeutig erfolgen“, sagt die Anwältin.

Technisch machbar, höchst umstritten

Auch in Schweden halten die organisierten Arbeitnehmervertreter nicht viel von der schönen neuen Arbeitswelt mit Chip. Aus der Zentrale des dortigen Gewerkschaftsbundes heißt es, Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit der Arbeitnehmer lasse das Arbeitsschutzgesetz nicht zu. Außerdem eröffneten sich dadurch zu viele Möglichkeiten, Daten zu sammeln und zu missbrauchen. Das Argument parieren die Anhänger der neuen Technik indes aus dem Stegreif. „Lieber nutzen wir die Chips jetzt schon freiwillig und finden heraus, welche Risiken darin stecken, als dass uns in ein paar Jahren die großen Internetkonzerne damit überrollen“, argumentiert Hannes Sjöblad von Bionyfiken. Gerade hat der Verein zu diesem Zweck eine Zusammenarbeit mit dem renommierten Computersicherheitsdienstleister Kaspersky abgeschlossen.

Die deutsche Technologieszene reagiert auf dieses Forschungsangebot zurückhaltend. Georg Sigl, Leiter am Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit, kurz AISEC, ist skeptisch, was den verbreiteten Einsatz von Chiptechnologie im Menschen angeht: „Eine technisch machbare Sache, die aber keiner braucht.“ Technisch basiert diese „Sache“ auf der kontaktlosen Chipkartentechnologie, die relativ ausgereift und verbreitet ist. Zum einen auf dem Standard ISO14443, wie er in Bezahlkarten und elektronischen Ausweisdokumenten vorkommt. Die Auslesedistanz ist dabei sehr gering und beträgt nur rund 10 Zentimeter. Mit ISO15693, das etwa für Skipässe verwendet wird, kommt man schon mit einem Abstand von rund 70 Zentimetern an die begehrten Daten heran. „Manche Chips sind sehr unsicher“, warnt Sigl.

Sie dienen nur dazu, eine Nummer auszulesen, die dann mit gespeicherten Informationen verbunden wird. In diesen Fällen wird versucht, die Sicherheit mit den Hintergrundsystemen sicherzustellen. Den heiklen Punkt solcher Systeme, ob implantiert oder nicht, stellt die Informationshoheit dar - also die Frage, wer auf persönliche Daten zugreifen kann und ob das der Chipträger überhaupt mitbekommt. Sigl zählt Beispiele für solche Angriffe auf. Ein sehr bekanntes stammt vom Hamburger Flughafen, wo das Wachpersonal dank seiner Sicherheitsausweise Zugang zu Sicherheitstüren etwa zum Rollfeld erlangt. Im Versuch wurde ein Lesegerät verwendet, das locker in einen Rucksack oder mittlerweile sogar in Jackentaschen passt. Geht man damit nahe an der Zielperson vorbei, lassen sich deren Daten vom Chip auslesen. Im Hamburger Versuch brauchte der Datendieb dann nur noch das Lesegerät vor die Sicherheitstür zu halten, und dieselbe öffnete sich dank der geklauten Daten.

Datenübertragung schon beim Händeschütteln

Eine andere Masche wurde vor einiger Zeit ebenfalls erfolgreich getestet. Ein Täter hielt dabei den Ausleserucksack in einem Supermarkt nahe genug an den Autoschlüssel der Zielperson. Die gekaperten Daten wurden über eine Drahtlosverbindung so verstärkt, dass draußen auf dem Parkplatz die Verriegelung des Fahrzeugs der Zielperson aufsprang, während diese nichtsahnend einkaufte. „Die Gefahr eines Hackerangriffs ist generell groß bei Systemen, die nicht noch eine zusätzliche Bestätigung erfordern“, warnt Sigl. Also etwa beim Auto den Knopfdruck zum Öffnen des Fahrzeuges oder bei Bezahlsystemen die Eingabe eines Pin-Codes.

Übertragen auf den Arbeitnehmer, der einen Chip unter der Haut trägt, heißt das: Schon beim Händeschütteln könnte sich ein geschickter „Geschäftspartner“ womöglich der eigenen Daten ermächtigen, ohne das man davon etwas mitbekäme. Viel schwieriger als das heimliche Datenauslesen sei es dagegen, einen solchen Chip heimlich umzuprogrammieren. Dies funktioniere nicht mal eben so im Vorbeigehen - bislang jedenfalls nicht.

Zwar sind die heute speicherbaren Datenmengen noch überschaubar. „Auf einen solchen Chip passen einige hundert Bytes“, sagt Christian Wiebus von NXP aus Hamburg. Das ehemalige Tochterunternehmen des Philips-Konzerns ist spezialisiert auf IT-Sicherheit bei Identifizierungs- und Bezahlsystemen. Der Chip etwa in einem Reisepass enthält dagegen Informationen von rund 80 Kilobyte. Aber es sei wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch solche Volumina auf sehr kleine Speicher passten.

„Viele Menschen gehen sowieso sorglos mit Daten um“

Die Gefahr einer lückenlosen Dauerüberwachung von Trägern des implantierten Chips schätzt Wiebus zumindest derzeit noch gering ein, da die Daten nicht auf mehrere hundert Meter auslesbar seien. Das Implantat sei dafür aber auch gar nicht unbedingt nötig. „Denn viele Menschen gehen ohnehin mit ihren Daten sehr gedankenlos um.“ Die Debatte um Technologie-Implantate hat schon eine längere Geschichte. Der Kanadier Amal Graafstra hat vor mehr als zehn Jahren mit einem RFID-Chip in der Hand für hitzige Debatten über die Grenzen für den Einsatz von moderner Technologie gesorgt. Der Philosophiedozent Michael Nagenborg organisierte 2008 eine Konferenz zu dem Thema.

Die damals erwartete breite kommerzielle Nutzung sei bislang ausgeblieben, sagt er: „Es gibt nur wenige Beispiele, etwa in der Medizin.“ Dagegen sei ein Club in Barcelona, der seinen Gästen dank RFID-Implantaten bargeldloses Bezahlen ermöglichte und damit durch zahlreiche Medien geisterte, mittlerweile von der Bildfläche verschwunden. Nagenborg nennt RFID „eine Zwischenlösung“. Heute gebe es viel ausgefeiltere Überwachungsmethoden wie vernetzte Kamerasysteme, die mit biometrischen Systemen wie Gesichtserkennungssoftware arbeiten.

„Die arbeiten heimlich und sind deshalb viel gefährlicher“, warnt der Dozent der Hochschule Twente. „Beim RFID-Chip willige ich wenigstens freiwillig in die Implantierung ein.“ Die Freiwilligkeit spielt für Nagenborg eine entscheidende Rolle. Und gerade dort hegt er große Zweifel bei der Frage nach kommerzieller Nutzung in Unternehmen. Während der Testphase funktioniere der Drucker sicherlich noch ohne Chip. „Das kann sich aber im Laufe der Zeit ändern, und dann heißt es: ,Lass dir halt einen Chip implantieren.‘“

Chip-Partys für Cyborgs bald auch in Deutschland?

Diese Gefahr sieht auch Fraunhofer-Leiter Sigl. Er persönlich habe mit einem implantierten Kennungschip wie im schwedischen Beispiel kein Problem, solange sich ein Erwachsener bewusst dafür entscheide. „Allerdings darf es nicht zu einem Gruppenzwang kommen, der die Freiwilligkeit einschränkt“, sagt der Wissenschaftler. Letztendlich glaubt auch er nicht, dass sich die Chipimplantierung in deutschen Büros durchsetzen wird. Zumindest sei bei ihm bislang noch keine Anfrage aus der Wirtschaft angekommen. Die schwedischen Pioniere sind da ganz anderer Meinung.

Zuerst gelte es, den Schlüsselbund und die Pin zu ersetzen, als Nächstes komme die Brieftasche, sagen Hannes Sjöblad und seine Mitstreiter. Sich selbst bezeichnen sie hin und wieder ganz ohne Scheu als Cyborgs - als Mischwesen aus Fleisch und Blut einerseits, moderner Technik andererseits. Es werde nicht mehr lange dauern, prognostizieren sie, bis mit dem Chip auch Tickets für den öffentlichen Nahverkehr zu kaufen seien. Danach würden auch Bibliotheken und Supermärkte den Chip als Alternative zu ihren Benutzer- und Kundenkarten akzeptieren und Banken als Alternative zur Kreditkarte Implantate anbieten. Und schließlich werde der Chip genügen, um ins Theater oder ins Kino zu gehen und für einen Flug einzuchecken.

In Stockholm wird es in den nächsten Wochen gleich mehrere Chip-Partys geben, die Zahl der schwedischen Cyborgs dürfte also weiter steigen. Die Mieter für das „Epicenter“ in Stockholm stünden schon Schlange, heißt es von dem Immobilienkonzern. Und Hannes Sjöblad von Bionyfiken wundert sich zunehmend über die Skepsis, die ihm mancherorts entgegenschlägt. „Worauf warten wir noch? Wir können damit doch nur gewinnen.“ Die ersten Cyborg-Vereine haben sich inzwischen auch in Deutschland gegründet.

Quelle: F.A.Z.

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johannes
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