Jetzt geht's langsam an's Eingemachte

Alles, was nicht direkt mit rambus zu tun hat.

Re: Jetzt geht's langsam an's Eingemachte

Beitragvon Ville » 28.10.2014, 12:52

Ja spannende Sache. Bevor alles zusammenbricht gibt es bestimmt einen Crackup Boom. Man sollte sich auf jedenfall auf einen möglichen Zusammenbruch in den nächsten 10-20 Jahren vorbereiten.
Benutzeravatar
Ville
Administrator
 
Beiträge: 732
Registriert: 18.12.2007, 08:13

Re: Jetzt geht's langsam an's Eingemachte

Beitragvon johannes » 31.03.2016, 22:35

@ all

Ein (sehr) interessanter Artikel, der aber nicht besonders erbaulich ist - als kleine Vorwarnung für alle
puristischen Börsenrauschgenießer :wink: (aus Kolumbien, Köln usw. ... ). Der Artikel läuft Euch nicht weg,
sofern Euch das Thema interessiert.



Japans langes Leiden unter billigem Geld

Die ultralockere Geldpolitik hat über Umverteilungseffekte einschneidende gesellschaftliche Auswirkungen. Das zeigt sich in Japan in aller Deutlichkeit. Welche Lehren sollte die Europäische Zentralbank daraus ziehen?

27.03.2016, von Gunther Schnabl



Die geldpolitische Bazooka, die Notenbankchef Mario Draghi seit 2012 aufgefahren hat, greift nicht. Die Inflationsrate verharrt weiterhin nahe null. Mit ihrer geldpolitischen Entscheidung vom 10.März hat die Europäische Zentralbank deshalb nachgeladen: Der Leitzins wurde auf 0 Prozent gesenkt, das Volumen der monatlichen Anleihekäufe auf 80 Milliarden Euro angehoben und der Strafzins auf Einlagen bei der Europäischen Zentralbank auf minus 0,4 Prozent gedrückt. Wie der italienische Notenbankchef Ignazio Visco jüngst anmerkte, sind die Mittel der EZB noch lange nicht ausgeschöpft. Die Bank von Japan hat es vorgemacht, die EZB folgt immer entschlossener.

Die Bank von Japan bekämpft seit 25 Jahren die anhaltende Krise mit einer Politik des billigen Geldes. Mit den Abenomics, einem wirtschaftspolitischen Maßnahmenpaket aus expansiver Geldpolitik, kreditfinanzierten Konjunkturprogrammen und Strukturreformen, hat Notenbankchef Haruhiko Kuroda seit 2013 die Geldschwemme nochmals deutlich forciert. Frankreichs Notenbankchef François Villeroy de Galhau hat betont, dass das, was die japanische Zentralbank seit langem tut, für Europa nicht falsch sein könnte. Immerhin sei eine schädliche Deflation verhindert worden.

Frankreichs oberster Währungshüter spricht nicht von den zahlreichen einschneidenden unerwünschten Nebeneffekten der japanischen Geldpolitik. Denn trotz der Geld-Tsunamis ist die japanische Volkswirtschaft weder merklich gewachsen, noch hat sich Inflation gezeigt. Stattdessen ist die Staatsverschuldung explodiert, die Löhne sinken, und die Verteilungsungleichheit wächst. Wie hängt das alles mit der Geldpolitik zusammen?

Billiges Geld erzeugt Blasen, die zunächst mit Euphorie und dann mit einschneidenden Krisen verbunden sind. Wie sich aus der Konjunkturtheorie von Friedrich August von Hayek ableiten lässt, schafft billiges Geld Anreize zu Überinvestition und Spekulation. Es werden Investitionsprojekte auf den Weg gebracht, die zwar unter den aktuellen Finanzierungskosten profitabel wirken, auf lange Frist aber nicht tragfähig sind. Wenn die Zentralbank den Zins wieder anhebt, weil die Inflation steigt, dann folgen unweigerlich der Abbruch der Investitionen und die Krise.
Auf billiges Geld folgte der Spekulationsboom

So auch im Fall der japanischen Blasenökonomie: Im September 1985 versuchten die G-5-Staaten mit dem Plaza-Abkommen durch eine starke Yen-Aufwertung, das Handelsungleichgewicht zwischen Japan und den Vereinigten Staaten zu beseitigen. Da die Aufwertung Japan in die Krise stürzte, senkte die Bank von Japan 1986/87 den Leitzins auf ein historisches Tief. Die Zinssenkungen halfen nicht nur die Aufwertung auszubremsen und die Produktionskosten der Exportunternehmen zu senken. Das billige Geld setzte auch einen zügellosen Spekulationsboom auf den Aktien- und Immobilienmärkten in Gang, der im Dezember 1989 seinen spektakulären Höhepunkt erreichte. Der Aktienindex Nikkei hatte sich verdreifacht. Dem Kaiserpalast wurde ein höherer Wert als ganz Kalifornien zugeschrieben.

Als die Zentralbank mit einer Zinserhöhung die Blase zum Platzen brachte, schlitterte das Land in eine schmerzhafte Rezession. Aktien- und Immobilienpreise verfielen. Die Haushalte konsumierten weniger. Die Investitionen der Unternehmen stockten, und die Banken schränkten die Kreditvergabe ein. Auch als die lockere Geldpolitik im Frühjahr 1991 wiedereinsetzte, erholte sich das Wachstum nicht. Stattdessen trug die neue Geldflut zu neuen Blasen außerhalb Japans bei: Kapital wurde zu niedrigen Zinsen in Japan aufgenommen und ins Ausland transportiert. Kapitalzuflüsse aus Japan haben maßgeblich einen Überinvestitionsboom in Südostasien (1993 bis 1997) gespeist. Auch an den wiederkehrenden Boom-Phasen auf dem amerikanischen Aktienmarkt und am chinesischen Wirtschaftswunder war japanisches Kapital beteiligt.


Solange die übergroße Zuversicht auf den ausländischen Vermögensmärkten anhielt, ließ sich auch in Japan eine leichte wirtschaftliche Erholung vermelden. Wenn die Blasen platzten, folgten schmerzhafte Rückschläge. Das deutlichste Beispiel ist die Asien-Krise (1997/98), die dem südostasiatischen Wirtschaftswunder ein Ende setzte. Über neue faule Kredite des japanischen Bankensektors und einen Nachfrageeinbruch für Exportunternehmen zog die Asien-Krise die japanische Finanzmarktkrise (1998) nach sich. Ebenso stürzten das Ende der Dotcom-Blüte und des amerikanischen Hypothekenmarktbooms Japan in die Krise.

Immer wieder waren billiges Geld und wachsende Staatsausgaben die Krisentherapie. Kurzfristig konnte zwar Schlimmeres verhindert werden, langfristig wurde die Lage noch aussichtsloser gemacht. Nach Hayek verhindern billiges Geld und keynesianische Konjunkturprogramme den Ausleseprozess der Krise. Strukturelle Verzerrungen werden zementiert, die notwendige Neuausrichtung der Produktionsstruktur bleibt aus. Weder das Absenken der Leitzinsen von 8 Prozent im Mai 1991 auf 0 Prozent im März 1999 noch das Aufblähen der Zentralbankbilanz um stolze 700 Prozent, noch ein Anheben der Staatsverschuldung auf 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts haben Japan die versprochene Erholung gebracht.

Der Kern des Problems ist der Finanzsektor, der seines traditionellen Geschäftsmodells beraubt wurde. Die Nullzinspolitik hat nicht nur die Differenz zwischen Kredit- und Einlagenzinsen, aus denen sich Banken finanzieren, von etwa 3,5 Prozentpunkten auf rund 0,5 gedrückt. Sie hat auch die Kreditnachfrage vieler Großunternehmen geschrumpft, weil geringe Zinsen und geldpolitisch getriebene Abwertungsphasen des Yens die Gewinne erhöhten. Da das traditionelle Kreditgeschäft schrittweise ausgehöhlt wurde, wurden die Banken von der kostenlosen Liquidität der Zentralbank abhängig, die vermehrt in Staatsanleihen angelegt wurde. Man spricht von „Zombie-Banken“.

Staatliche Nachfrage ersetzt Sachinvestitionen

Die Unternehmen, die noch auf Kredite angewiesen blieben, waren und sind oft Klein- und Mittelunternehmen. Diese sind in Japan weniger renditestark als in Deutschland. Die anhaltende Rezession machte diesen besonders stark zu schaffen, weil sie weniger als die Großunternehmen im Ausland tätig sind. Die Banken scheuten es, die Kreditlinien von unrentablen Unternehmen zu schließen, weil sonst noch mehr faule Kredite sichtbar geworden wären. Darüber hinaus verpflichtet ein Gesetz, die Kredite an Klein- und Mittelunternehmen zu geringen Zinsen aufrechtzuerhalten. Die Literatur nennt das „nachsichtige Kreditvergabe“ an „immergrüne Zombie-Unternehmen“.

Das erinnert an die mittel- und osteuropäischen Planwirtschaften: Staatlich kontrollierte Banken gewährten den Unternehmen Kredite unabhängig von der Profitabilität, um Arbeitslosigkeit vorzugreifen. Die sogenannten Soft Budget Constraints (Janos Kornai) lähmten das Streben nach Gewinn, Innovation und Effizienz. Ein ähnliches Muster lässt sich nun in Japan beobachten, wo seit Beginn der neunziger Jahre die ehemals beeindruckenden Produktivitätsgewinne gegen null konvergieren. Sachinvestitionen gehen kontinuierlich zurück und werden durch staatliche Nachfrage ersetzt.


Trotz der nun zweieinhalb verlorenen Dekaden ist in Japan die Arbeitslosigkeit nie ernsthaft angestiegen. Der Höhepunkt lag im Jahr 2009 bei 5,6 Prozent, jüngst sogar nur noch bei knapp über 3 Prozent. Das sind aus europäischer Sicht Traumwerte. Denn in der konsensorientierten japanischen Gesellschaft wurden drohende Entlassungen umgangen, indem die Löhne gesenkt wurden. Da Produktivitätsgewinne Grundlage für Lohnerhöhungen sind, hat sich der Spielraum für Lohnerhöhungen immer weiter eingeengt. Seit der Finanzmarktkrise ist das reale Lohnniveau durchschnittlich um etwa ein halbes Prozent pro Jahr gefallen.

Die ultralockere Geldpolitik hat über Umverteilungseffekte einschneidende gesellschaftliche Auswirkungen. Die Umverteilung geht in Japan nicht, wie in den Lehrbüchern angenommen, den Weg über Inflation, sondern über unterschiedliche Einkommensentwicklungen. Die Lohnzurückhaltung in der Krise hat die Kaufkraft der unteren und mittleren Lohngruppen ausgehöhlt. Auch die Einkommen aus risikoarmen Vermögensklassen wie Spareinlagen und Staatsanleihen, die gerne von der Mittelschicht gehalten werden, wurden von der Bank von Japan dramatisch gedrückt.

Gewonnen haben vor allem die Menschen, die ihre Ersparnisse risikoreich im Ausland, zum Beispiel in den florierenden Aktienmärkten der Vereinigten Staaten, angelegt haben. Ebenso konnten die Angestellten der großen Exportunternehmen gewinnen, weil insbesondere die Großunternehmen vom Boom in China profitierten. Politikerfamilien, die Baukonglomerate kontrollieren, haben bei den zahlreichen keynesianischen Konjunkturprogrammen Kasse gemacht.

Die daraus resultierende wachsende Einkommensungleichheit im bisher verteilungsgerechten Japan setzt sich in einem Wandel der Beschäftigungsverhältnisse fort. Die lebenslange Beschäftigung, wie sie in der Phase des schnellen Wachstums üblich war, ist ein Auslaufmodell. Es sind kurzfristige Verträge mit geringer sozialer Absicherung gefragt. Seit dem Platzen der Blase hat sich der Anteil der Beschäftigten mit prekären Beschäftigungsformen von 20 Prozent auf knapp 40 Prozent erhöht. Betroffen sind immer mehr junge Menschen.

In Tokio pulsiert nach wie vor das Leben

Zu den ohnehin widrigen Lebensbedingungen im Großraum Tokio gesellen sich damit trübe Zukunftsperspektiven. Da jeder für sich persönlich die Last der Krise zu vermindern sucht, gehören Kinder oft nicht mehr zum Lebensentwurf der jungen Generation. Der wohlstandsbedingte Rückgang der Geburtenraten wird durch die geldpolitisch verlängerte Krise verstärkt. Die Zahl der Geburten pro Frau liegt heute auf dem Niveau des kinderarmen Deutschlands.

Die deshalb schnell voranschreitende Alterung der Gesellschaft zeigt sich aber nicht im Großraum Tokio. Dort pulsiert nach wie vor das Leben. Da die wirtschaftlichen Perspektiven vergleichsweise gut sind, wandern die jungen Menschen aus den wirtschaftlich schwachen Regionen im Norden, Süden und Westen Japans zu. Die jungen Zuwanderer müssen in Tokio oft für geringe Löhne hart arbeiten, um hohe Mieten zu bezahlen. An der Peripherie bleiben in den schrumpfenden Kleinstädten und Dörfern die Alten und leere Häuser zurück.

Die schwelende Frustration vieler Japaner spiegelt sich wie in Europa in der Politik wider. Die seit dem Zweiten Weltkrieg dominierende konservative Liberaldemokratische Partei (LDP) sitzt fest im Sattel. Denn sie versteht es, die Wähler am rechten Rand an sich zu binden. Im Konflikt mit China um einige Felsen im Ostchinesischen Meer schlägt die Regierung gerne markige Töne an. Präsident Shinzo Abe betont die kulturelle Identität Japans und den Anspruch seines Landes auf eine Führungsrolle in Asien und der Welt. Die Regierung verschließt sich einer Einwanderung, die die Alterung der Bevölkerung abmildern könnte. Das kommt in Japan, wo die Menschen stolz auf die Homogenität der Gesellschaft sind, gut an.


Am linken Rand verhindert die Zerstrittenheit der Opposition das Entstehen eines ernstzunehmenden Gegengewichts. Die linksorientierte Demokratische Partei Japans (DPJ) ist zu konzeptlos, um eine stabile Opposition zu etablieren. Viele ziehen sich deshalb in die schnell wachsende Gruppe der Nichtwähler zurück. Statt sich politisch zu engagieren, sucht man Zuflucht in alternativen Lebenskonzepten. Der „Aufstand der Amateure“ (Shiroto no Ran) zeigt sich im Engagement für Recycling, ökologische Landwirtschaft und die Share Economy. Man entwickelt Überlebensstrategien für Arme und protestiert gegen die gnadenlose Arbeitswelt.

Die LDP hat es sich zum Ziel gesetzt, vor allem die Frustration der Alten und der Menschen in der wirtschaftlich schwachen und politisch überrepräsentierten Peripherie in Schach zu halten. Seit dem Platzen der Blase hat sie die Subventionen für die sozialen Sicherungssysteme und den regionalen Finanzausgleich hoch gehalten. Da die Steuerquellen immer weniger sprudeln, ist der Anteil dieser Subventionen an den Steuereinnahmen stetig gewachsen. Das hat die japanische Staatsverschuldung auf Weltrekordniveau getrieben.

Ein Abwertungswettlauf deutet sich an

Vor allem der hohe öffentliche Schuldenstand erzeugt aber Druck auf die Zentralbank, immer mehr Staatsanleihen zu kaufen. Nur so ist die Zinslast des immensen Schuldenbergs noch erträglich. Nur so wird einer Staatsschuldenkrise vorgebeugt. Das Inflationsziel von zwei Prozent ist nur ein Feigenblatt, um die ultralockere Geldpolitik trotz der einschneidenden Nebenwirkungen zu rechtfertigen. Da die Umverteilungswirkungen der Geldpolitik die Kaufkraft der Mittel- und Unterschicht immer weiter aushöhlen, steigen trotz Geld-Tsunamis die Konsumentenpreise nicht. Der Zusammenhang zwischen expansiver Geldpolitik und Inflation (wie er auch von europäischen Zentralbankern angenommen wird) ist längst nicht mehr gültig. Je mehr Anleihen gekauft werden, desto geringer (und nicht höher!) ist der Inflationsdruck. Zentralbankpräsident Kuroda kann so unbegrenzt weitermachen.

Beim großen Nachbarn China wird vor allem die starke Abwertung des Yens im Zuge der Abenomics mit wachsendem Argwohn gesehen. Seit Januar 2013 bis zu den ersten Abwertungsschritten Chinas im Juli 2015 hat der Yen um 40 Prozent gegenüber dem chinesischen Yuan abgewertet. In China mehren sich seither die Anzeichen, dass in den vergangenen 15 Jahren spekulative Kapitalzuflüsse (nicht zuletzt aus Japan) zum Aufbau von Überkapazitäten im Exportsektor und im Immobilienmarkt beigetragen haben. Diese Blasen sind nun geplatzt, auch das Reich der Mitte schlittert in die Krise. Chinas Regierung ist deshalb immer weniger gewillt, die Abwertungsstrategie Abes zu dulden, weil sie den Export schwächt. Es deutet sich ein Abwertungswettlauf in Ostasien an, der Japan und China schaden wird.

Die japanische Geldpolitik ist damit mehr wirtschaftspolitisches Kamikaze als eine Therapie für den krankenden Riesen. Die Kosten für einen Großteil der Bevölkerung sind hoch, weil die marktwirtschaftliche Ordnung im Land der aufgehenden Sonne schleichend unterhöhlt wird. Das Haftungsprinzip ist ausgesetzt. Die Zinsen signalisieren kein Risiko mehr. Der Zins trennt nicht mehr gute Investitionsprojekte von schlechten. Die versteckte Verstaatlichung von Banken, Industrie und Nachfrage bremst Innovation und Wettbewerb. Der Wohlstand verfällt. Diejenigen, die Japan schon immer als kommunistisches Land mit kapitalistischem Gesicht angesehen haben, können sich bestätigt fühlen. Nur so ist es zu erklären, dass der hohe Arbeitseinsatz der sehr gut ausgebildeten Bevölkerung seit nunmehr 25 Jahren ins Leere läuft.

Und die Lehren für die europäische Geldpolitik ? Japan zeigt sehr deutlich, dass das geringe Zinsniveau nicht als Folge einer - beispielsweise alterungsbedingten - Wachstumsschwäche zu sehen ist. Vielmehr muss die Wachstumsschwäche als Konsequenz der Politik des billigen Geldes verstanden werden. Die säkulare Stagnation ist selbstgemacht. Obwohl in vielen Ländern der Europäischen Union die von billigem Geld genährten Blasen erst 15 Jahre später als in Japan geplatzt sind, zeichnen sich schon in vielen Aspekten ähnliche Entwicklungen ab.

In den europäischen Krisenländern dient die Geldpolitik immer mehr der versteckten Finanzierung maroder Banken, unrentabler Unternehmen, nicht nachhaltiger sozialer Sicherungssystemen und überschuldeter „Zombie-Staaten“. Eine nachhaltige Erholung ist unwahrscheinlich. Für Deutschland ist die europäische Geldpolitik derzeit zu expansiv, so dass wie im Japan der achtziger Jahre eine Blase entstanden ist. Am deutlichsten zeigt sich diese bei den Immobilienpreisen der Ballungszentren. Die Herausforderungen für Europa dürften größer werden, wenn eines Tages die deutsche Blase platzt.

In allen Teilen der Währungsunion trägt das billige Geld über ähnliche Transmissionskanäle wie in Japan schon lange zu wachsender Ungleichheit bei. Das nährt überall in Europa die politische Polarisierung. Es ist ungewiss, wie sich dies auf das gesellschaftliche und politische Klima in Europa und auf den europäischen Integrationsprozess auswirken wird. Nur eines ist sicher: Die japanischen Bürger haben das lange Leiden unter dem billigen Geld mit sehr viel Geduld ertragen. Damit sollten die europäischen Geldpolitiker lieber nicht rechnen.


Der Autor

Gunther Schnabl leitet das Institut für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig. Ausgebildet, promoviert und habilitiert wurde der Volkswirt an den Universitäten Tübingen, Stanford und Leuven. Ein Forschungsschwerpunkt des engagierten Hayekianers ist die Währungspolitik, insbesondere mit Blick auf Japan und China. In Leipzig fühlt sich der 1966 in Starnberg geborene Bayer nach zehn Jahren mit seiner Familie heimisch, nicht zuletzt schätzt der Ökonom die günstigeren Lebenshaltungskosten. (hig.)


Quelle: F.A.Z.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... ageIndex_2

alternativ

http://www.wifa.uni-leipzig.de/iwp?opti ... view&id=31




johannes
johannes
 
Beiträge: 282
Registriert: 18.03.2013, 16:40

Re: Jetzt geht's langsam an's Eingemachte

Beitragvon johannes » 23.12.2017, 22:48

@ all

„Am Limit“

von Hans-Werner Sinn


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. August 2017, S. 20-21

Das Verfassungsgericht lässt nicht locker. Wieder bekräftigt es seine Meinung, dass die EZB mit den Anleihekäufen ihr Mandat überschreiten könnte, und wieder hat es einen Vorlagebeschluss für den EuGH formuliert, der heftig zur Sache geht. Diesmal kritisiert das oberste deutsche Gericht das QE-Programm der EZB, und zwar mit Argumenten, die der EuGH bei der Rückweisung der deutschen Bedenken gegenüber dem OMT-Programm selbst formuliert hat. Während das OMT-Programm eine kostenlose Kreditausfallversicherung für die Käufer von Staatspapieren ist, weil die EZB den Anlegern verspricht, ihnen toxische Papiere abzukaufen, bevor der Staatskonkurs droht, sieht das QE- Programm vor, dass die Notenbanken der Eurozone solche Käufe tatsächlich realisieren. Bis zum Ende dieses Jahres werden mit frisch gedrucktem Geld für etwa 1,8 Billionen Euro Staatspapiere gekauft worden sein, bei einer anfänglichen Zentralbankgeldmenge von 1,3 Billionen am Beginn des Programms.

Was ich höchst bemerkenswert finde ist, dass das Verfassungsgericht betont, dass die EZB keine Politik betreiben darf, die absehbar zu Verlusten der Bundesbank führt, die dann zwangsläufig auf dem Wege verminderter Gewinnausschüttung oder gar auf dem Wege einer Rekapitalisierung der Bundesbank auf den deutschen Staat durchschlagen. Nur Verluste aufgrund von Kursänderungen bei erworbenen Papieren, die man kaum vorhersehen könne, seien zu akzeptieren. Das Verfassungsgericht wendet sich deshalb eindeutig gegen den Kauf deutscher Staatspapiere durch die Bundesbank, wenn diese Papiere bis zur Fälligkeit eine negative Rendite aufweisen.

Das ist insofern wichtig, weil ja auch schon der Standpunkt vertreten wurde, es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn die EZB toxische Papiere ankauft und Abschreibungsverluste einfährt, weil die Gewinnerzielung nicht zum Mandat der EZB gehört. Den Vertretern dieser Position ist nun ein vermeintliches Totschlagargument abhanden gekommen.

Ein Aspekt, den das Gericht nicht diskutiert, der aber auch auf absehbare Verluste hinausläuft, liegt in den Target-Salden, die wegen des QE-Programms nun schon wieder seit drei Jahren ansteigen. So lagen die Target-Forderungen der Bundesbank zuletzt bei 857 Milliarden Euro. Selbst ein nur partieller Ausfall dieser Forderungen könnte auf ein Vielfaches dessen hinauslaufen, was die Bundesbank ohne Rekapitalisierung durch den Steuerzahler an Verlusten verkraften könnte. Die Rekapitalisierung im Falle von Eigenkapitaleinbußen wäre nach Meinung des Gerichts unerlässlich, weil der Staat die Anstaltslast hat und der Bundesbank einen ordnungsgemäßen Geschäftsbetrieb ermöglichen muss.

Schon bis zum August 2012 waren die Target-Forderungen der Bundesbank dramatisch gewachsen, damals bis auf 751 Milliarden Euro, aber sie waren danach bis zum Sommer 2014 wieder auf 444 Milliarden Euro gefallen. Der neuerliche Anstieg auf fast das Doppelte muss im Lichte des Vorlagenbeschlusses zu tiefer Besorgnis Anlass geben, denn die Target-Forderungen sind kaum werthaltig.

Der Grund für den Anstieg der Forderungen bis zum Sommer 2012 lag seinerzeit in der Weigerung der internationalen Kapitalmärkte, die Leistungsbilanzdefizite der südeuropäischen Länder und Irland weiterhin zu finanzieren. In ihrer Not "druckten" sich die Länder das Geld, das sie brauchten, um ihre Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. So konnten sie weiterhin mehr Waren importieren, als sie exportierten, ihre fälligen Schulden bezahlen, die die ausländischen Gläubiger nicht mehr weiterwälzen wollten, und ihren reichen Bürgern erlauben, im Ausland Immobilien, Firmen und Wertpapiere zu kaufen, um ihr Vermögen auf diese Weise in Sicherheit zu bringen. Die Nettoüberweisungen mit dem frisch geschaffenen Geld werden durch die Target-Salden gemessen, denn sie begründen Schuldverhältnisse zwischen den nationalen Notenbanken.

Ermöglicht wurde diese Selbstbedienung mit der Druckerpresse im Wesentlichen dadurch, dass der EZB-Rat die Mindestanforderungen für die Qualität der Pfänder, die Banken für Notenbankkredite hinterlegen mussten, auf das Schrottniveau drückte; dass die Notenbanken der Krisenländer für Hunderte von Milliarden Euro ELA-Notfallkredite nach eigenem Gutdünken vergaben; und dass man die Möglichkeiten des ANFA-Geheimabkommens ausnutzte. Allein die italienische Notenbank hat nach dem ANFA-Abkommen für über 100 Milliarden Euro Staatspapiere mit selbst gedrucktem Geld erworben.

Die Selbstbedienung mit der Druckerpresse war freilich ein elektronischer Vorgang. Konkret war es so, dass die nationalen Notenbanken der Krisenländer frisch geschaffenes Geld an die Banken ihres Hoheitsgebietes verliehen, was die Banken und ihre Kunden in die Lage versetzte, Zahlungsaufträge an das Ausland zu realisieren, ohne illiquide zu werden. Mit dem Überweisungsakt wurde das neu geschaffene Geld in den Krisenländern wieder eingezogen und musste dann von den Zentralbanken jener Länder neu geschaffen werden, die die Überweisungsaufträge auszuführen hatten, allen voran der Bundesbank. Die Bundesbank hat auf diese Weise die ursprünglich von den Notenbanken der Krisenländer vergebenen Sonderkredite refinanzieren müssen.

Mit dem QE-Programm hatten sich die Kapitalmärkte wieder beruhigt und gewährten den Krisenländern neue Kredite, was zu privaten Rücküberweisungen in die Krisenländer führte und die Target-Salden wieder sinken ließ.

Die Freude über den Rückgang der Salden währte aber nicht lange. Ab dem Sommer 2014 stiegen die Salden unaufhaltsam wieder an. Das lag, wie die EZB mit Nachdruck betont, nicht mehr an der Kapitalflucht, sondern war ein gewollter oder in Kauf genommener Effekt ihrer QE-Politik. Die EZB sagt das zur Beruhigung der Öffentlichkeit. In Wahrheit hat die Öffentlichkeit allen Grund, gerade deswegen beunruhigt zu sein, denn die neuen Salden sind das Ergebnis eines gigantischen Umschuldungsprogramms, bei dem lästige private Gläubiger durch nette Zentralbanken anderer Länder ersetzt werden.

Da jede Notenbank in Proportion zur Landesgröße nur die Papiere ihres Staates kauft und zudem für Ausfälle gegenüber dem Eurosystem haften soll, mag man den Vorgang zunächst für unproblematisch halten. Doch zum einen betont das Verfassungsgericht, dass die seinerzeit von der Bundesbank erzwungene Selbsthaftung vom EZB-Rat jederzeit wieder kassiert werden könnte, und zum anderen sind die Papiere, um die es geht, nicht gleichmäßig in der Welt verteilt. So liegen die Papiere der Krisenländer vielfach außer Landes, weil diese Länder in der Zeit vor der Krise ihre riesigen Leistungsbilanzdefizite durch deren Verkauf an ausländische Investoren finanziert hatten. Wegen dieser Asymmetrie führt der Rückkauf seitens der Notenbanken der jeweiligen Ursprungsländer zu neuen Nettoüberweisungen zwischen den Euroländern, die die Target-Salden ansteigen lassen.

Um es konkret zu machen, betrachte man als Beispiel den Rückkauf spanischer Staatspapiere von einem deutschen Lebensversicherer, der diese Papiere vor der Krise mit Mitteln erworben hatte, die sich Deutschland durch seine Exportüberschüsse verdient hatte. Um den Rückkauf zu realisieren, gibt die spanische Notenbank der Bundesbank den direkten Auftrag, neues Geld herzustellen und dem Lebensversicherer zu übergeben. Abermals ist die Bundesbank zur Kreditierung einer Überweisung gezwungen und erhält dafür eine Target-Forderung. Diese Transaktion ist ein Vermögenstausch, der eine zinstragende, verbriefte und mit einer Fälligkeit ausgestattete Schuld Spaniens gegenüber einem privaten ausländischen Gläubiger, eben dem deutschen Lebensversicherer, in eine Buchschuld beim Eurosystem und damit indirekt bei der Bundesbank verwandelt; eine Buchschuld, die niemals fällig gestellt werden kann und nur einen Zins in Höhe des Zentralbankzinses (Hauptrefinanzierungssatz) erwirtschaftet. Diesen Zins hat die Mehrheit des EZB Rates, die von den netto im Ausland verschuldeten Ländern der Eurozone gebildet wird, inzwischen aber auf null gesetzt.

Sicher, die spanische Staatsschuld als solche bleibt bei dieser Transaktion rein rechtlich gesehen bestehen. Doch gehören die über den Zentralbankzins hinausgehenden Zinserträge auf diese Schuld dem spanischen Staat selbst. So gesehen ist die Staatsschuld ökonomisch zumindest teilweise verschwunden und in eine bloße Buchschuld der spanischen Notenbank gegenüber dem Ausland verwandelt worden. In Deutschland hat der Lebensversicherer nun Geld statt der spanischen Papiere, aber dieses Geld ist eine Forderung gegen die Bundesbank, die nur durch deren Target-Forderung gedeckt ist. Die Bundesbank wird durch den Prozess zur nachträglichen Finanzierung der spanischen Leistungsbilanzdefizite gegenüber Deutschland gezwungen.

Dabei geht es nicht nur um das Defizit mit Deutschland. Die Bundesbank wird durch das QE-Programm gezwungen, an der Bereinigung der spanischen Schuldenlage gegenüber dem gesamten Rest der Welt mitzuwirken. Wenn die spanische Notenbank z.B. ein Staatspapier von einem Investor in Schanghai zurückkauft und dieser Investor für seinen Erlös einer deutsche Firma erwirbt, dann muss die Bundesbank das Geschäft kreditieren. Sie hat wieder eine Target-Forderung, während die spanische Notenbank eine entsprechende Target-Verbindlichkeit verbuchen muss. Der deutsche Verkäufer erhält das Geld von der Bundesbank, hat also einen Titel gegen sie. Jedoch ist die Firma nun in China, und das spanische Schuldpapier ist wieder in Spanien.

Das ist natürlich nur ein Beispiel. Jedoch verwenden die außereuropäischen und europäischen Verkäufer von QE-Papieren ihre Erlöse tatsächlich bevorzugt für den Erwerb von Vermögensobjekten in Deutschland. Das ist einer der Gründe für die derzeitige Überhitzung des deutschen Immobilienmarktes, die sich deutlich am Rekordwert der Auftragsbestände der freischaffenden Architekten oder auch an den Preissteigerungen der Immobilien zeigt. Derzeit liegt das Überweisungsgeld, das die Bundesbank in Erfüllung ausländischer Zahlungsaufträge hat schaffen müssen, bei 30 Prozent der gesamten Zentralbankgeldmenge des Eurosystems. Das ist eine große Summe, wenn man bedenkt, dass die Bundesbank bei einer symmetrischen Geldpolitik größengemäß 26 Prozent dieser Zentralbankgeldmenge durch Kreditvergabe an die deutschen Banken geschaffen hätte, ohne dass noch Geld hinzugekommen wäre, das bloß in Erfüllung von Überweisungsaufträgen geschaffen werden musste.

Häufig wird behauptet, die möglichen Verluste der deutschen Volkswirtschaft aus den Target-Salden seien vernachlässigbar, weil sie nur auftreten würden, wenn der Euro zerbricht. Im Falle eines Konkurses einer anderen Notenbank würden die Verluste brüderlich geteilt. Deutschland solle sich nicht aufregen.

Diese Position verkennt, dass eine Forderung, die man nicht fällig stellen kann und die derzeit und vermutlich noch eine sehr lange, unbestimmte Zeit, die von den Kreditnehmern selbst definiert werden kann, einen Zins von Null oder nahe Null trägt, ohnehin kaum noch etwas wert ist. Private Unternehmen würden sie vermutlich mit einem Erinnerungswert von einem Euro in der Bilanz berücksichtigen. Jedenfalls ist die gemeinschaftliche Verpflichtung des Eurosystems, der Bundesbank Zinsen in Höhe von null zu garantieren, ziemlich wertlos.

Wirklich problematisch wird die Sachlage aber, wenn man bedenkt, dass die Target-Salden heute ein Ausmaß erreicht haben, dass die Zentralbanken mancher Krisenländer ihre Target-Schulden im Falle einer Rückkehr zu einer normalen Geldversorgung der Eurozone und zu normalen Zinsen möglicherweise gar nicht mehr bedienen könnten, wenn die dahinter stehenden Kreditforderungen ausfallen. Da die Zinsen auf die Target-Schulden bereits wesentlich größer sind, als die Zinsansprüche an den gemeinsamen Pool der Erträge aus den normalen geldpolitischen Operationen, müssten sie ihr Eigenkapital einsetzen, von dem sie aber nicht sehr viel haben. Da hilft die vereinbarte Selbsthaftung für die Staatspapiere rein gar nichts, denn einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen. Auch die jeweiligen Nationalstaaten werden nicht zu Hilfe kommen, denn eine Durchgriffshaftung ist in den EU-Verträgen ausdrücklich ausgeschlossen, und warum sollten sie, ähnlich wie der deutsche Staat als Gläubiger es täte, eine Anstaltslast akzeptieren, wenn die nur dazu führen würde, dass mehr Mittel an andere Länder abzuführen sind. Deshalb befürchte ich, dass die spanische und italienische Notenbank mit Target-Schulden im Umfang von je etwa 400 Milliarden Euro gar nicht der Lage wären, ihren Zinsverpflichtungen gegenüber dem Eurosystem nachzukommen, wenn die erworbenen Staatspapiere ausfallen. Und sie könnten sie natürlich auch nicht im Innenverhältnis des Eurosystems durch Gelddruck erfüllen, denn Geld drucken könnten sich die Gläubiger-Zentralbanken schließlich auch selbst.

So oder so sind die Target-Buchungen der Bundesbank schon heute weitgehend Luftnummern, die der Bilanzkosmetik dienen, die ökonomische Wirklichkeit aber nicht mehr widerspiegeln. Deutschland sollte sich darauf einstellen, auch dann größere Teile seiner Target-Forderungen effektiv zu verlieren, wenn der Euro weiterexistiert. Da die Target-Forderungen mittlerweile halb so groß sind wie das gesamte Nettoauslandsvermögen der Bundesrepublik Deutschland, das durch die Akkumulation der Leistungsbilanzüberschüsse gebildet wurde, stellt sich bald die Frage nach der Sinnhaftigkeit des gesamten Euroexperiments. Deutschland muss sich überlegen, wie lange es noch der Kaufladen sein will, in dem man beliebig anschreiben lassen kann, ohne dass der Ladenbesitzer seine Forderungen fällig stellen oder zumindest Zinsen verlangen kann.

Nachzulesen bei www.faz.net

http://www.hanswernersinn.de/de/FAZ_18082017



johannes
johannes
 
Beiträge: 282
Registriert: 18.03.2013, 16:40

Re: Jetzt geht's langsam an's Eingemachte

Beitragvon johannes » 14.06.2018, 22:22

@ all


25. Mai 2018
Europäische Zentralbank - Mit kühlem Herzen

Die EZB ist größer und mächtiger, als es die Gründer planten. 2019 könnte Jens Weidmann ihr Chef werden. Wie geht es der Institution, die der Deutsche dann führen müsste ?

... Johannes Priesemann, 59, ist manchmal auch richtig wütend, und zwar über die Einstellungs- und Beförderungsregeln der EZB. Der Gewerkschafter arbeitet seit ihrer Gründung bei der Bank. Er mag sie, und doch kann er die Art, wie sie mit ihren Mitarbeitern und deren Vertretern umgeht, nicht akzeptieren. Die Ergebnisse der jüngsten Mitarbeiterumfrage bestärken ihn in seiner Kritik an der Vetternwirtschaft, die in den letzten zehn Jahren enorm zugenommen haben soll. 67 Prozent der befragten Teilnehmer sagen, entscheidend für eine Beförderung in der EZB sei es, die richtigen Leute zu kennen. Auch der Umgang mit Fehlern sei verbesserungswürdig, meinen 45 Prozent der Befragten. "Viel zu viele in der Belegschaft trauen sich nicht, Dinge, die falsch laufen, bei ihren Vorgesetzten direkt anzusprechen. Das gefährdet die Qualität der Arbeit", sagt Priesemann.

Der Jurist mit dem grauen Haar ist keiner, der schnell Alarm schlägt, sondern jemand, der zusammen mit dem Personalrat immer den Dialog mit der EZB-Führung gesucht hat. "Es gibt Leute, die arbeiten viel und gern bei der EZB, die machen auch Karriere und sind auch zufrieden", sagt Priesemann. Doch häufig handele es sich da um Mitglieder sogenannter "in-groups". Zu oft erlaubten es Regeln und auch unbewusste Präferenzen, dass Vorgesetzte ihnen genehme Zuarbeiter oder gar schwache Kandidaten rekrutierten. Man befördere oft nur seinesgleichen, viele andere in der EZB blieben außen vor. Die Vielfalt der Meinungen werde dadurch unterdrückt. ...

Die Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise hat einen Keil zwischen die 19 Euro-Staaten getrieben. Davon blieb auch die multinationale EZB nicht verschont. Es gebe vereinzelt nationale Seilschaften, deren Mitglieder sich fördern, berichten Mitarbeiter, die anonym bleiben wollen. Der Vorwurf lässt sich schwer belegen, es geht da häufig auch um verletzte Gefühle Einzelner. Doch er liegt in der Luft, weil es schwierig ist, bei der Institution Karriere zu machen. Ein Grund ist, dass kaum jemand die EZB verlässt. Leute sitzen lange auf ihren Posten, es fehlt die Durchlässigkeit.

Natürlich gibt es viele EZB-Mitarbeiter, die sehr zufrieden sind mit ihrem Arbeitsplatz und auch gute Gründe dafür haben. Nach Einschätzung von Priesemann gibt es aber zu viele, die innerlich gekündigt hätten.
Die Anschuldigungen von Vetternwirtschaft gibt es seit Jahren. Man weiß, dass der Vorwurf schnell gemacht aber schwer beweisbar ist. Allerdings haben die Gewerkschaft und der Betriebsrat in einigen Fällen Fehler bei Besetzungen geltend gemacht. Diese Stellen mussten dann neu ausgeschrieben werden.

Es mag überraschen, dass solche Dinge passieren, aber sie geschehen auch in Firmen und anderen öffentlichen Institutionen. Doch was macht eine solche Erfahrung mit den Betroffenen?

"Menschen, die bei internationalen Organisationen arbeiten, suchen einen sicheren Arbeitsplatz. Irgendwann merken sie, dass der Preis der Stabilität immer eine gewisse Unbeweglichkeit der Institution ist", sagt Eberhard Hauser, Geschäftsführer von Hauser Consulting, der sich seit Jahrzehnten mit Personalentwicklung beschäftigt. In diesen Organisationen gebe es Beständigkeitsexperten, die es als ihre Aufgabe ansähen, dort für Stabilität zu sorgen, so dass Konflikte nicht ausgetragen würden. Irgendwann, so Hauser, trete der Mitarbeiter schließlich in die innere Verhandlung. "Wäre man schlecht bezahlt, dann würde man gehen. Bei der EZB ist man gut bezahlt. Deshalb bleibt man, und es folgen Resignation, Aggressivität und Passivität."

Die EZB ist enorm gewachsen. Bei ihrer Gründung 1998 arbeiteten dort 344 Personen, mittlerweile sind es 3048. "Früher, zum Start, kannte jeder jeden, wir haben an einem Strang gezogen", berichtet eine Mitarbeiterin, die damals dabei war. Sie möchte anonym bleiben. "...

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/e ... -1.3992004


johannes
johannes
 
Beiträge: 282
Registriert: 18.03.2013, 16:40

Re: Jetzt geht's langsam an's Eingemachte

Beitragvon johannes » 14.06.2018, 22:39

@ all

EU einigt sich auf schärfere Kontrolle großer Bargeldtransfers
23.05.18

BRÜSSEL (dpa-AFX) - Zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung wird es in der EU künftig schärfere Kontrollen großer Bargeldtransfers geben. Nach Angaben der EU-Kommission einigten sich Vertreter der EU-Mitgliedstaaten am Mittwochabend mit Vertretern des EU-Parlaments auf neue Regeln, die es Kriminellen erschweren sollen, ihre Aktivitäten zu finanzieren.

Die Regeln sehen unter anderem vor, dass Behörden bei entsprechenden Verdachtsmomenten schon bei Beträgen unterhalb der Anmeldeschwelle von 10 000 Euro tätig werden können. Zudem sollen Zollkontrollen auf Bargeld in Postpaketen, auf Prepaid-Karten sowie auf wertvolle Güter wie Gold ausgeweitet werden.

Die derzeit gelten Vorschriften sehen lediglich vor, dass bei der Einreise in die EU und bei der Ausreise aus der EU mitgeführte Barmittel im Wert von 10 000 Euro oder mehr sowie bestimmte Wertpapiere in diesem Wert beim Zoll angemeldet werden müssen.

"In unserem Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismus gehen wir weiter denn je, um unsere Gesellschaft sicherer zu machen", kommentierte der zuständige EU-Kommissar Pierre Moscovici. Er begrüße die Einigung, die der Umgehung der Bargeldkontrollen an den EU-Außengrenzen entgegenwirken solle. Barzahlungen in den Mitgliedstaaten selbst sollen durch die strengeren Regeln demnach nicht eingeschränkt werden.

Die am Mittwochabend erzielte Einigung muss jetzt noch formell vom Europaparlament und von den Mitgliedstaaten gebilligt werden. Anschließend soll die Verordnung im Amtsblatt der EU veröffentlicht werden und 20 Tage später in Kraft treten.

https://www.maxblue.de/maerkte-analysen ... 6e&OFFSET=


johannes
johannes
 
Beiträge: 282
Registriert: 18.03.2013, 16:40

Vorherige

Zurück zu Off Topic

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste




Disclaimer:
Diese Website steht in keiner Beziehung zu Rambus Inc. Alle verwendeten Markennamen sind Eigentum der jeweiligen Firmen. Rambus.info hat keinerlei kommerziellen Interessen und stellt nur eine Plattform zur Verfügung um sich über Rambus auszutauschen. Die hier angeboteten Informationen erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Richtigkeit. Die im Forum geäußerten Meinungen sind die Meinungen der jeweiligen Verfasser und stellen keine Aufforderung dar in Rambus zu investieren. Rambus, RDRAM, RaSer, XDR, FlexPhase, FlexIO, RIMM, SO-RIMM, und das Rambus logo sind Schutzmarken oder registrierte Warenzeichen von Rambus Inc. in den USA und anderen Ländern. Rambus und andere Parteien können Warenzeichenrechte auch an anderen Bezeichnungen haben, die hier verwendet werden.


cron