Was der weise Mann am Anfang tut, macht der Dummkopf am Ende

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Was der weise Mann am Anfang tut, macht der Dummkopf am Ende

Beitragvon lucky » 07.02.2013, 20:25

Die grundlegenden Anlagemöglichkeiten für Investoren und welche wir davon klar favorisieren
(von Warren Buffett, Auszug aus dem Jahresbericht 2011 von Berkshire Hathaway, übersetzt aus dem Englischen)

„Investieren“ wird oft beschrieben als der Prozess, Geld heute anzulegen, in der Erwartung, mehr Geld in der Zukunft zurückzubekommen. Bei Berkshire haben wir dazu einen etwas anspruchsvolleren Ansatz. Wir definieren „Investieren“ als den Transfer von heutiger Kaufkraft auf andere mit der begründeten Erwartung, mehr Kaufkraft nach Steuern in der Zukunft zurückzuerhalten. Kurz und bündig: „Investieren“ bedeutet Konsumverzicht in der Gegenwart mit dem Ziel, in der Zukunft mehr konsumieren zu können. Aus dieser unserer Definition folgt eine wichtige logische Konsequenz: Das Risiko eines Investments ergibt sich nicht aus seinem Beta (ein Wall-Street-Begriff, der die Schwankung umfasst und benutzt wird, um Risiko zu messen), sondern vielmehr aus der Wahrscheinlichkeit – und zwar der begründeten Wahrscheinlichkeit – dass das Investment seinem Besitzer einen Kaufkraftverlust über seine geplante Anlagedauer beschert. Vermögenswerte können also stark im Preis schwanken und trotzdem nicht riskant sein, solange sie mit hoher Wahrscheinlichkeit über die geplante Haltedauer eine steigende Kaufkraft produzieren. Und wie wir sehen werden, kann eine nicht schwankende Geldanlage höchst risikoreich sein.

Geldanlage-Möglichkeiten sind ebenso zahlreich wie verschieden. Doch es gibt drei Hauptkategorien und es ist wichtig, deren Charakteristiken zu verstehen. Verschaffen wir uns also einen Überblick:

Geldwerte wie Geldmarktfonds, Anleihen, Hypotheken, Bankeinlagen und andere Anlagen. Die meisten dieser währungsbasierten Geldanlagen werden als „sicher“ angesehen. Doch in Wahrheit gehören sie zu den gefährlichsten Anlageformen. Ihr Beta (also ihre Schwankung) mag gleich null sein, aber ihr Risiko ist riesig. Über das letzte Jahrhundert hinweg haben diese Geldanlagen die Kaufkraft ihrer Besitzer in vielen Ländern vernichtet, selbst dann, wenn die Inhaber regelmäßig ihre Zinszahlungen und ihre Einlage zurückerhalten haben. Und dieses hässliche Ergebnis wird ewig wiederkehren. Regierungen bestimmen letztendlich den Wert des Geldes und systembedingt werden sie früher oder später gezwungen sein, eine Politik zu betreiben, die Inflation produziert. Von Zeit zu Zeit gerät diese Politik außer Kontrolle. Sogar in den USA, wo der Wunsch nach einer stabilen Währung stark verankert ist, verlor der Dollar seit 1965, als ich das Management von Berkshire übernahm, 86 % an Wert. Heute benötigt man also stolze 7 $ um etwas zu kaufen, was damals 1 $ gekostet hat. Das bedeutet, dass eine steuerbefreite Institution in diesem Zeitraum eine Verzinsung von 4,3 % jährlich benötigt hätte, allein um die Kaufkraft zu erhalten. Die Manager dieser Institution hätten sich selbst etwas vorgemacht, wenn sie auch nur einen Bruchteil dieser jährlichen Zinsen als Einkommen bzw. Ertrag angesehen hätten. Für steuerpflichtige Investoren wie Sie und mich, wäre dieses Bild noch deutlich schlechter.

Während desselben 47-jährigen Zeitraums brachte ein durchgehendes Investment in kurzlaufenden US- Staatsanleihen eine Rendite von 5,7 % pro Jahr. Das hört sich gut an. Aber wenn ein Privatanleger durchschnittlich 25% Einkommensteuer bezahlt hat, hätte ihm dieses Investment keinerlei realen Ertrag gebracht. Die sichtbare Einkommenssteuer hätte diesem Anleger 1,4 Prozentpunkte seiner nominalen Rendite vernichtet und die unsichtbare Steuer in Form der Inflation hätte die restlichen 4,3 % vernichtet. Es ist bemerkenswert, dass die unsichtbare Steuer in Form der Inflation dreimal so hoch war, wie die sichtbare Einkommenssteuer, die Investoren meist als ihre Hauptlast empfinden. Zwar ziert unsere Geldnoten der Spruch „Wir glauben an Gott“, aber die Hand, die die Gelddruckmaschine unserer Regierung bedient, war bisher ziemlich menschlich. Hohe Zinsen können Anleger selbstverständlich für das Inflationsrisiko entschädigen, dass sie mit Geldwertanlagen eingehen. Und tatsächlich taten die Zinsen in den 80er Jahren das auch sehr gut. Das aktuelle niedrige Zinsniveau jedoch ist nicht einmal annähernd dazu geeignet, das Risiko an Kaufkraftverlust auszugleichen, das Anleger heute eingehen. Heutzutage müssten Anleihen mit einem Warnhinweis versehen sein. Unter heutigen Umständen mag ich deshalb keine Geldwertanlagen. Heutzutage gilt vielmehr ein denkwürdiger Kommentar, den Wall-Street-Banker Shelby Cullom Davis schon vor einiger Zeit formuliert hat: „Anleihen bieten angeblich einen risikolosen Zins, doch auf dem heutigen Niveau bieten sie eher ein zinsloses Risiko.“

Die zweite Hauptkategorie bei den Anlageklassen umfasst Anlagen, die niemals etwas produzieren werden, sondern die vielmehr gekauft werden in der Hoffnung der Investoren, dass irgendjemand anderes – der ebenfalls weiß, dass diese Anlage auf Ewigkeit unproduktiv sein wird – in der Zukunft einen höheren Preis dafür bezahlen wird. So wurden beispielsweise im 17. Jahrhundert Tulpen zur Lieblingsanlage dieser Investoren. Diese Anlageform benötigt eine ständig wachsende Anzahl an Kaufinteressenten, die wiederum angelockt wird, weil sie glaubt, dass die Nachfrage weiter steigen wird. Die Besitzer dieser Anlagen lassen sich nicht davon inspirieren, was die Anlage erwirtschaftet – es wird dauerhaft gar nichts sein – sondern vielmehr von ihrer Hoffnung, dass andere Investoren die Anlage in der Zukunft noch mehr begehren. Die wichtigste Anlage in dieser Kategorie ist Gold, das aktuell einen hohen
Beliebtheitsgrad unter solchen Investoren genießt, die sich vor den meisten anderen Anlageformen fürchten, insbesondere vor Papiergeld (dessen Werthaltigkeit sie - wie schon gesagt - zurecht anzweifeln). Und natürlich, wenn man eine Unze Gold über einen ewigen Zeitraum hält, wird man am Ende immer noch eine Unze Gold besitzen.

Was die meisten Goldkäufer trotzdem motiviert, ist ihre Erwartung, dass die Masse an ängstlichen Investoren zunehmen wird. Während der letzten Dekade hat sich diese Erwartung als richtig herausgestellt. Im Verlauf solcher Blasen erlagen Armeen von ursprünglich skeptischen Investoren dem „Beweis“ des Marktes, und die Anzahl der Käufer stieg für eine Zeit lang ausreichend stark, um den Zug am rollen zu halten. Doch Blasen, die groß genug geworden sind, platzen nun einmal unausweichlich. Und dann bestätigt sich die alte Weisheit erneut: „Was der weise Mann am Anfang tut, macht der Dummkopf am Ende.“

Heute beträgt der weltweite Vorrat an Goldreserven rund 170.000 T onnen. Wenn man all dieses Gold zusammenschmelzen würde, könnte man damit einen Würfel mit 21 Meter Kantenlänge produzieren. Bei 1.750 USD pro Unze - das ist der Goldpreis während ich diese Zeilen schreibe - beträgt der Gesamtwert 9,6 Billionen US-Dollar. Nennen wir diesen Würfel Haufen A.

Lassen Sie uns nun einen Haufen B kreieren, der genauso viel kostet. Für dieses Geld könnten wir alles Ackerland der USA (400 Millionen Hektar mit einem Erntewert von jährlich 200 Milliarden US-Dollar) plus 16 mal Exxon Mobil (das profitabelste Unternehmen der Welt; ein einzelnes davon mit einem Gewinn von über 40 Milliarden Dollar jährlich) erwerben. Danach hätten wir immer noch eine Billion Dollar über, sozusagen als Kleingeld oder Notgroschen (kein Grund also, sich nach dieser Einkaufsorgie knapp bei Kasse zu fühlen).

Können Sie sich einen Anleger mit 9,6 Billionen Dollar vorstellen, der Haufen A gegenüber Haufen B bevorzugt ?

In den kommenden einhundert Jahren werden die 400 Millionen Hektar Ackerland riesige Mengen an Roggen, Weizen, Baumwolle und anderen Ernteerträgen abwerfen – und werden Jahr für Jahr weiterhin diese wertvolle Ernte abwerfen, egal welche Währung wir dann haben. Und Exxon Mobil wird höchstwahrscheinlich mehrere Billionen Dollar an Dividenden an seine Aktionäre ausgeschüttet haben und wird zudem mehrere Billionen Dollar an Vermögenswerten in der Bilanz stehen haben (und erinnern Sie sich, Sie bekommen 16 Exxons).

Der 170.000 Tonnen-Gold-Würfel wird hingegen unverändert mit seiner Größe von 21 Metern Kantenlänge dastehen und immer noch unfähig sein, irgendetwas zu produzieren. Sie können den Würfel streicheln und ihm gut zureden, aber das wird nichts ändern. Ich bin mir sicher, dass die 9,6 Billionen US-Dollar von Haufen A in den nächsten einhundert Jahren deutlich weniger an Wert zulegen werden, als der Wert von Haufen B.

Meine eigene Vorliebe – und Sie wussten sicher, dass das kommen würde – ist unsere dritte Anlageklasse: Investments in Produktivkapital, egal ob Unternehmen, Land oder Immobilien.

Idealerweise sollten diese Vermögenswerte die Fähigkeit besitzen, in Inflationszeiten einen Ertrag zu liefern, der seine Kaufkraft erhält und gleichzeitig ein Minimum an Ersatzinvestitionen benötigt.

Land, Immobilien und viele Unternehmen wie zum Beispiel Coca-Cola, IBM und unsere See ́s Candy erfüllen diese zweifache Bedingung.

Einige andere Unternehmen – wie zum Beispiel unsere streng regulierten Versorgungsunternehmen – erfüllen die Bedingung nicht, weil die Inflation ihren Kapitalbedarf für Ersatzinvestitionen in die Höhe treibt. Um mehr zu verdienen, müssen diese Unternehmen und damit ihre Aktionäre mehr investieren. Trotz dieses Nachteils sind diese Investments immer noch besser als Investments in unproduktive Sachwerte oder Geldwertanlagen.

In der Zukunft werden die Menschen mehr Waren transportieren, mehr Nahrungsmittel konsumieren und mehr Wohnraum benötigen als sie es jetzt tun. Die Menschen werden in alle Ewigkeit Handel betreiben. Bildlich gesprochen werden diese wirtschaftlichen „Kühe“ über Jahrhunderte lang leben und zunehmend größere Mengen an „Milch“ geben. Die Erlöse aus dem Verkauf dieser Milch werden sich für die Besitzer dieser „Kühe“ vergrößern, ebenso wie sie es im letzten Jahrhundert getan haben, als der Dow Jones von 66 auf 11.497 Punkte gestiegen ist (und zudem noch Berge an Dividenden gezahlt hat). Berkshires Ziel ist es, seinen Besitz an Qualitätsunternehmen zu vergrößern. Unsere erste Wahl wäre es, diese Unternehmen vollständig zu besitzen – aber wir sind ebenso Eigentümer, indem wir nennenswerte Anteile der umlaufenden Aktien halten.

Ich bin überzeugt, dass sich diese Art zu investieren über jeden langfristigen Zeitraum hinweg als klarer Sieger unter den drei untersuchten Anlageklassen erweisen wird. Und noch wichtiger: Es ist mit Abstand die sicherste.
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